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"Das waren wir auf dem Flug nach Kreta. Am 21. Mai 1941", erklärt der weißhaarige Mann, der soeben ein kleinformatiges Foto aus seiner Trachtenjacke gezogen hat. Die vergilbte Aufnahme zeigt zwölf junge Männer in deutscher Wehrmachtsuniform mit Karabinern in den Händen. Eng zusammengepfercht im Rumpf eines Transportflugzeugs vom Typ Ju 52 schauen sie grinsend in die Kamera.
"Wir sind mitten in den Stellungen der Engländer gelandet", erzählt der heute 80-jährige Hans Heinrich aus Neubeuern weiter. Noch heute ist er davon überzeugt, dass er nur deshalb überlebt hat, weil sein Flugzeug gleich nach dem Aufsetzen in einen Bombentrichter fiel und so vor dem feindlichen Beschuß geschützt war. Viele seiner Kameraden von der 2. Kompanie des Gebirgsjägerregiments 100 aus Brannenburg überlebten die Landung auf der zerbombten Piste an der Nordwestküste Kretas nicht. Sie liegen heute wenige hundert Meter vom Flugplatz Maleme entfernt auf dem gleichnamigen deutschen Soldatenfriedhof, den Hans Heinrich zusammen mit anderen alten Gebirgsjägern und Angehörigen der Gefallenen regelmäßig besucht.
Mit dem "Unternehmen Merkur", bei dem die bayerischen Gebirgsjäger eine wichtige Rolle spielten, wollte Hitler nach der Eroberung Jugoslawiens und Griechenlands das strategisch wichtig zwischen Europa, Afrika und Asien gelegene Kreta im Handstreich erobern. Aber die Operation, die in den Morgenstunden des 20. Mai 1941 mit dem Absprung von zweier deutscher Fallschirmjägerregimenter über der Insel begann, geriet zunächst einmal zum Debakel:
Weil die englischen Verteidiger über das als Überraschungscoup geplante Vorhaben bestens informiert waren, schossen sie viele der Fallschirmjäger schon in der Luft oder kurz nach ihrer Landung ab. So scheiterte die von Hitler geforderte rasche Einnahme der Inselflughäfen bereits im Ansatz an der energischen Gegenwehr der neuseeländischen und australischen Truppen.
Erst als es am 21. Mai gelang, Soldaten der 5. Gebirgsdivision auf dem noch immer halb von den Neuseeländern besetzten Flughafen Maleme an der Nordküste der Insel zu landen, wendete sich das Blatt. In verlustreichen Kämpfen wurden die Engländer von den nach und nach eingeflogenen deutschen Verstärkungen immer weiter zurückgedrängt, bis sie schließlich am 1. Juni 1941 Kreta räumen mussten.
Der deutsche Sieg wurde bitter erkauft. So kamen von 11.000 eingesetzten Fallschirmjägern kamen 3339 ums Leben, Leben, von den knapp 6.500 Gebirgsjägern immerhin 503. Die Briten hatten an die 4000 Tote und Verwundete zu beklagen, und während des Untergrundkampfes gegen die bis Kriegsende andauernde deutsche Besatzung kamen 3474 kretische Zivilisten ums Leben.
Die deutschen Toten des "Unternehmens Merkur" wurden zunächst auf mehreren von der Truppe angelegten Feldfriedhöfen beigesetzt. Im Jahr 1960 erschienen dann die Umbetter des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge auf der Insel und begannen damit, die Gebeine der Gefallenen auf einer großen, neu angelegten Gräberanlange in Maleme zusammenzubetten. Am 6. Oktober 1974 wurde dieser Friedhof eingeweiht, in dem mittlerweile 4465 Tote ihre letzte Ruhe gefunden haben.
Heute, ein Vierteljahrhundert später, wird die zwischen Olivenhaine, Johannisbrotbäume und duftende Mastixbüsche eingebettete Gräberstatte alljährlich von bis zu 100.000 Menschen besucht und ist damit der am meisten aufgesuchte Friedhof des Volksbundes überhaupt.
Dass unter den Besuchern nicht nur Deutsche, sondern auch viele Kreter sind, freut Karl-Wilhelm Lange, seit einem Jahr neuer Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, ganz besonders. Anläßlich der 25-Jahrfeier des Friedhofs sprach der ehemalige Regierungspräsident von Braunschweig von der guten Zusammenarbeit zwischen seiner Organisation und der einheimischen Bevölkerung, die trotz der mit viel Leid verbundenen vierjährigen deutschen Besatzungszeit von Anfang an hinter dem Anliegen des Volksbunds gestanden hat. Der Leitspruch "Versöhnung über Gräbern" sei hier, so Lange, längst täglich erlebbare Wirklichkeit geworden.
Anders freilich sieht es noch in Osteuropa aus. Obwohl dort der Volksbund in den vergangenen Jahren bereits mehrere neu erbaute Friedhöfe eingeweiht hat - 1999 beispielsweise die Anlage in Rossoschka bei Wolgograd, dem früheren Stalingrad -, gibt es dort noch Millionen toter deutscher Soldaten in alten Truppenfriedhöfen und verstreuten Feldgräbern, die es in den nächsten Jahrzehnten auf neue Gräberstätten umzubetten gilt. Dass diese gewaltige Aufgabe zu einem Großteil aus Spendengeldern finanziert wird, ist weltweit einmalig. Dabei zeigen sich die Bayern regelmäßig besonders spendenfreudig: über vier Millionen Mark brachten sie letztes Jahr bei der Haus- und Straßensammlung des Volksbundes dafür auf, daß irgendwann einmal auch die deutschen Gefallenen der ehemaligen Ostfront eine ebenso würdige Ruhestätte finden wie die 4465 Toten von Maleme.
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